
Manfred Julius Müller
Erhöht endlich die Lkw-Maut!
In den letzten 25 Jahren hat sich der Lkw-Verkehr auf den deutschen Straßen mehr als verdoppelt. Und dass, obwohl die Reallöhne und inflationsbereinigten Renten im gleichen Zeitraum um etwa 15 % eingebrochen sind. Warum in aller Welt muss die deutsche Bevölkerung immer mehr Schwerlastverkehr für einen sinkenden Lebensstandard erdulden?
Pro
und Contra Lkw-Maut: Deutschland zahlt den Preis für den Wegfall
der Zollgrenzen!
Ganz Schlaue meinen nun, Deutschland zahle eben den Preis für
die EU und die Globalisierung (also den Wegfall der Zollgrenzen) "von
dem die deutsche Wirtschaft profitiert". &endash; Profitiert? Wie
kann man ein Volk nur so verdummen und ihm eine derart dreiste
Lüge auftischen? Nach meinem Empfinden ist der Abbau von
Reallöhnen und Renten sowie die immense Staatsverschuldung alles
andere als ein Vorteil! Näheres...
Pro
und Contra Lkw-Maut: "Aber Deutschland ist doch nun einmal ein
Transitland!"
Auch
die nächste Behauptung ist mehr als abenteuerlich. Nur weil
Deutschland im Herzen Europas liegt, muss es nicht automatisch zum
Transitland werden. Dass Deutschland in diesem Ausmaß zum
Durchgangsland mutierte, lag vorrangig am Abbau der Zollgrenzen. Weil
auf wirkungsvolle Zölle verzichtet wird, lohnt sich die
Auslagerung von Produktionsteilen in die östlichen
Billiglohnländer. Was die Westeuropäer nicht mehr selbst
herstellen dürfen, wird nun zum Großteil über die
deutschen Autobahnen hin und her gekarrt. Welch ein Wahnsinn! Und
welche Vorteile haben die Deutschen davon?
Pro
und Contra Lkw-Maut: Viele zahlen mit dem Leben!
Fest
steht, dass die zigtausend Lkw-Unfälle auf den deutschen
Fernstraßen Jahr für Jahr hunderte Todesopfer und tausende
Schwerverletzte fordern. Ein wahrlich hoher Preis für den
angeblich unvermeidlichen Warentourismus. Wie abgebrüht muss man
sein, wenn man als Politiker diese Schreckenszahlen einfach beiseite
schiebt und den Blutzoll als unabänderlich hinnimmt?
Dabei gibt es noch eine sehr hohe Dunkelziffer weiterer
Geschädigter: Niemand weiß, wieviel Bundesbürger
aufgrund der durch den Lkw-Verkehr hervorgerufenen Luftverschmutzung
erkranken und sterben. Wer entschädigt für die hohe
Lärmbelästigung, Umweltzerstörung usw.?
Pro
und Contra Lkw-Maut: Das Land ohne nennenswerte Rohstoffe
Das
zentral in Europa gelegene Deutschland verfügt über keine
nennenswerten Bodenschätze. Auch nachwachsende Rohstoffe sind
wegen der hohen Bevölkerungsdichte rar. Während große
dünnbesiedelte Flächenländer wie zum Beispiel die USA
im großen Umfang Nahrungsmittel, Biogas und Biosprit
exportieren könnten, reicht die Fläche des
dichtbevölkerten Deutschland gerade einmal zur Sicherstellung
der eigenen Ernährung.
Die geografische Lage ist der einzige naturgegebene Pluspunkt, den Deutschland im internationalen Dumpingwettbewerb aufzubieten hat. Warum sollte man diesen einen Vorteil nicht nutzen und den Transitverkehr zu einer Einnahmequelle machen, wo es bislang doch nur ein großes Verlustgeschäft war? Es wird ja schließlich kein ausländischer Spediteur gezwungen, die deutschen Transitwege zu nutzen.
Pro
und Contra Lkw-Maut: Die bisherigen Mautgebühren sind nicht
einmal ansatzweise kostendeckend
Ein einzelner großer Lkw belastet die Straße mehr als
150.000 Pkw. Schon an dieser Zahl lässt sich erahnen, dass die
Einnahmen aus Steuern und Mautgebühren beim Schwerlastverkehr
längst nicht kostendeckend sind. Die gilt vor allem für
ausländische Lkws, für die hierzulande kaum Steuern
anfallen und die wegen ihres oft schlechten Allgemeinzustands zudem
noch ein höheres Gefahrenpotential darstellen. Die
läppischen Mautgebühren decken die wahren Kosten für
Straßenbau- und Instandhaltung, Umweltschäden,
Gebäudeschäden, Unfallschäden, Gesundheitsschäden
usw. nicht einmal ansatzweise ab.
Pro
und Contra Lkw-Maut: Eine Verfünffachung der Mautgebühren
wäre überfällig
Würde man die tatsächlich anfallenden Kosten und
Folgeschäden fair einpreisen, so müssten die Sätze
für die deutsche Lkw-Maut zumindest verfünffacht werden.
Damit könnten nicht nur die Straßen besser ausgebaut und
verkehrssicherer gestaltet werden, es könnten auch Gelder in das
soziale Krankensysteme fließen (um die Gesundheitsschäden
des Lkw-Verkehrs finanziell abzudecken) und somit die Lohnnebenkosten
etwas entlasten.
Pro
und Contra Lkw-Maut: Ausländische Lkw nicht
bevorzugen!
Der Trend ist eindeutig: Immer mehr ausländische Lkws
verdrängen die hochbesteuerten deutschen Brummis. Dies liegt zum
Großteil an der Benachteiligung deutscher Spediteure, die
zusätzlich noch hohe Kfz-Steuern berappen müssen. Um eine
Wettbewerbsgleichheit mit den ausländischen Spediteuren zu
schaffen, könnten die Steuern auf die deutschen Lkws gesenkt
werden (finanziert über die Mehreinnahmen aus der
Maut).
Lkw-Maut
auf die Bundesstraßen weiter ausdehnen
Es
macht keinen Sinn, sich bei der Lkw-Maut einseitig auf die Autobahnen
zu konzentrieren. Auch auf den Bundes- und Landstraßen sind die
Schäden durch die Schwerlaster immens und müssten über
die Maut abgedeckt werden. Diese Gleichbehandlung verhindert auch
eine Maut-Flucht, die bei einer Anhebung der Maut ansonsten extrem
zunehmen würde.
Pro
und Contra Lkw-Maut: Einsicht im Rückwärtsgang
Nun
haben zahlreiche Politiker immerhin eingesehen, dass unsere
Mautgebühren erhöht werden müssten. Doch schon sind
andere schon wieder dabei, die Transportkosten staatlich zu
entlasten. Ihr Argument: "Die höheren Frachtraten würden
letztlich doch auf die Verbraucher abgewälzt und somit zum
Anstieg der Lebenshaltungskosten beitragen".
Also
wieder einmal soll gemauschelt und eine reale Belastung verschleiert
werden. Aber: Wenn der Staat den Speditionen Subventionen
gewährt, so wird dies letztlich nicht billiger als direkte
Preiserhöhungen. Denn die Steuern zur Begleichung der
Subventionen fallen ja nicht vom Himmel, sie werden dem Steuerzahler
abgenommen.
Letztlich kommt ein subventioniertes System immer wesentlich
teurer, weil es sämtliche nachfolgenden Kostenrechnungen
verfälscht. Wenn etwas subventioniert wird, wird an
schlechten Produktions- und Konsumgewohnheiten festgehalten, weil
die Auswirkungen niemand spürt. Je weniger Subventionen, desto
effizienter die Marktwirtschaft und desto mehr steigen die
Reallöhne.
Letztlich ist es also so, dass eine Verteuerung des Warentransports die Lebenshaltungskosten senkt. Es macht keinen Sinn, wenn die Allgemeinheit für die Schäden anderer aufkommen muss (über höhere Krankenversicherungsbeiträge und Steuern). Und was im Zuge der Gleichbehandlung die ausländischen Spediteure mehr zahlen, kommt voll und ganz der deutschen Bevölkerung zugute (senkt nochmals deren Lebenshaltungskosten).
Pro
und Contra Lkw-Maut: Das Chaos ist vorprogrammiert, der
Schwerlastverkehr soll sich in den nächsten 25 Jahren wiederum
verdoppeln
Experten
rechnen in den nächsten 25 Jahren mit einer weiteren
Verdoppelung des Lkw-Aufkommens auf den deutschen Straßen. Das
bedeutet noch mehr Staus, noch mehr Verkehrstote und vor allem
immense Kosten für den weiteren Straßenausbau. Aber diese
Prognose bewahrheitet sich nur, wenn man weiterhin auf eine echte
kostendeckende und gewinnbringende Mautgebühr
verzichtet.
Eine gerechte Kostenstruktur im Transportwesen würden das
Lkw-Verkehrsaufkommen normalisieren und auf vertretbare Belastungen
abklingen lassen.
Eine
höhere Lkw-Maut aus Respekt vor den Menschen!
Der
Lkw-Verkehr sollte auf das Notwendige beschränkt werden. Es
macht keinen Sinn, den Warentransport durch Steuermittel zu
begünstigen, nur damit sich die Verlagerung der
Arbeitsplätze in Billiglohnländer weiter lohnt.
Es muss nicht sein, dass fangfrische Nordseekrabben per Lkw nach Tunesien gebracht, dort gepult und anschließend wieder zurückgeholt werden. Wer den Warentransport subventioniert, unterläuft das Prinzip der Marktwirtschaft, denn dadurch werden Veränderungen ins Rollen gebracht, die bei einer fairen Bewertung gar nicht rentabel sind.
Viele
Produktionsauslagerungen würden sich bei ehrlichen
Transportkosten (die auch die Folgeschäden abdecken) nicht
lohnen. Der Markt und die Kaufgewohnheiten würden sich bei
neutraler Aufwandsentschädigung ändern.
Wenn der Preis für das französische Mineralwasser durch den
weiten Transportweg sich verdoppeln würde, müssten die
Konsumenten ja nicht verdursten. Sie würden vielmehr umsteigen
auf regionale Produkte. Es muss ja nicht unbedingt sein, dass 50
Joghurtsorten in den Regalen der Supermärkte stehen und
Schleswig-Holsteiner unbedingt Joghurt aus Bayern haben müssen
(und umgekehrt). Der echte ehrliche Preis muss es eben richten, er
sorgt für eine Effizienz in der Marktwirtschaft.
Eine
höhere Lkw-Maut der Umwelt und der Wirtschaft zuliebe!
Wer
die Vergeudung der Ölressourcen durch eine indirekte
Subventionierung des Schwerlastverkehrs forciert, handelt in jeder
Hinsicht umwelt- und menschenfeindlich.
Umwelt-
und menschenfeindlich, weil dadurch der Verschwendung begrenzter
Rohstoffressourcen Vorschub geleistet wird und unnötig
Schadstoffe in die Luft geblasen werden.
Menschenfeindlich, weil die subventionierte Frachtverkehr auch
massiv die Spekulation beim Öl und den Nahrungsmitteln
vorantreibt. Menschenfeindlich, weil Arbeitsplätze in den
Hochlohnländern abgebaut werden, die bei vernünftigen
Transportkosten gar nicht zur Diskussion stehen würden.
Menschenfeindlich, weil der Steuerzahler diese unsinnigen
Subventionen auch noch finanzieren muss.
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Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und
veröffentlichte unzählige Aufsätze zu den
verschiedensten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die
weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern
in wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a.
"Das
Kapital und die Globalisierung".
Weitere interessante Seiten finden Sie auf www.anti-globalisierung.de, www.das-kapital.eu, www.kapitalismus-online.de, www.weltwirtschaft-globalisierung.de, www.parlamentswahlen.de