www.umweltschutz-klimawandel.de Warum
steigt der Stromverbrauch trotz sinkendem
Wohlstands? Es
ist schon merkwürdig: Seit 1980, also seit Beginn der
Globalisierung, sinken in Deutschland die Reallöhne und
damit auch die Kaufkraft - und trotzdem steigt der
Stromverbrauch. Dabei hat sich die Technologie
weiterentwickelt: Die modernen Haushaltsgeräte
(Kühlschränke, Waschmaschinen, Leuchten usw.)
brauchen heute viel weniger Energie als noch vor 20
Jahren. Wie
lässt sich dieses Paradoxon
erklären? Um
das Rätsel zu lösen, muss man sich zunächst
einmal anschauen, wie der heutige Stromverbrauch sich
verteilt: Diese
Zahlen lassen bereits erahnen, wo man als erstes bei der
Suche nach den Ursachen ansetzen muss: nämlich bei dem
mit Abstand größten Stromverzehrer, der
Industrie. Obwohl
in der Industrie die Beschäftigung kontinuierlich
sinkt, steigt deren Energiebedarf. Dabei wird schnell klar,
dass diese Entwicklung eigentlich gar nicht
widersprüchlich ist, sondern schon die Erklärung
liefert.
Wenn
Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzt werden, wenn
immer mehr rationalisiert und automatisiert wird, dann ist
es auch kein Wunder, wenn mehr Strom benötigt
wird. Aber
ist dieser Punkt damit abgehakt, handelt es sich nicht um
einen ganz natürlichen Ablauf, der der Menschheit
zugute kommt? Der
1. Fehler: Die Bestrafung der Arbeit erhöht den
Stromverbrauch Die
Arbeitnehmer wird mit Lohnnebenkosten belastet (Steuern und
Beiträge zu Sozialversicherungen), die maschinelle
Konkurrenz kommt dagegen weitgehend ungeschoren davon und
wird häufig noch staatlich subventioniert
("Investitionsförderung"). Diese Praxis halte ich
für dermaßen töricht, dass ich kaum noch
Worte dafür finde.
Näheres... Seit
über 20 Jahren kämpfe ich für eine
Änderung dieses Irrsinns und fordere
eine
Lohnkostenreform
(Anhebung
der Mehrwertsteuer bei gleichzeitiger Absenkung der
Lohnnebenkosten). Immerhin wurde nach dem erfolgreichen
einprozentigen Experiment 1997 im Januar 2007 mit 3 %
Mehrwertsteueranhebung schon ein mutigerer Schritt in diese
Richtung gewagt (der wiederum sehr vielversprechend
verlief). Das lässt doch hoffen! Je
weniger die Arbeit einseitig belastet wird und je mehr die
Kosten des Sozialstaates auch auf die Importe und die
Produktionsmittel verteilt werden, desto weniger besteht
die
Gefahr
einer widersinnigen
Automatisierung.
Während
jetzt noch viele Maschinen sich nur rechnen, weil die
Arbeit künstlich verteuert wird, würde bei
einer gerechten Lastenverteilung dieser ungesunde
Rationalisierungsdruck aufgehoben - damit würde dann
nicht nur die Massenarbeitslosigkeit sondern auch der
Strombedarf zurückgehen. Der
2. Fehler: Folgeschäden werden vom Markt ignoriert Ebenso
ist der Kapitalismus überfordert, wenn er
produktionsbedingte Folgeschäden in seine Kalkulation
mit einbeziehen soll. Wenn weltweit Milliarden Tonnen von
Feinstaub und CO2 tagtäglich in die Luft geblasen
werden, sind zwar die Auswirkungen und Schäden
insgesamt abschätzbar, aber leider dem Verursacher
nicht direkt zuzuordnen. So gesehen gibt es jeden Tag
Milliardenschäden, Tausende Kranke und Tote, die in der
Rentabilitätsberechnung der Produzenten nirgendwo
auftauchen. Also
ist die Politik gefordert, das Unvermögen des
Kapitalismus auszugleichen und über Steuern für
eine Schadensregulierung zu sorgen. Das geschieht bislang
kaum oder nur in sehr ungenügendem Maße. Die
hohen Mineralölsteuern zum Beispiel dienen bisher
hauptsächlich dem Straßenbau - sollte beim
Verbrauch fossiler Brennstoffe auch die Folgekosten
berücksichtigt werden, müssten die Spritsteuern
mindestens verdoppelt werden. Eine
drastische
Steueranhebung
auf fossile Brennstoffe wäre in dieser Lage die
logische
Konsequenz.
Weil die Politik aber weltweit die Zölle abgesenkt oder
abgeschafft hat, ist dieser nahliegende Schritt verbaut. In
einem Umfeld des totalen globalen Vernichtungswettbewerbes
kann die Politik nicht machen, was sinnvoll und notwendig
wäre. Sie muss das Überleben der eigenen
Volkswirtschaft im Auge behalten und darf ihr deshalb keine
zusätzlichen Belastungen aufbürden. Aber
es gibt einen Ausweg aus diesem
Dilemma!
In
dem Maße, in dem der Staat sich vom globalen
Dumpingwettbewerb abkoppelt, kann er auch die
Ökosteuern erhöhen.
Die
Entmachtung des globalen Dumpingsystems kann entweder
über Zölle oder die bereits oben erwähnte
Lohnkostenreform geschehen. Also
fassen wir zusammen: Der
Stromverbrauch der Industrie würde deutlich sinken,
wenn gerechte Bedingungen geschaffen würden - wenn also
für eine Gleichbehandlung von Arbeit und Maschine
(Kapital) gesorgt würde und Produkte über Steuern
für die Folgekosten (Luftverschmutzung) selbst
aufkommen müssten. In
Privathaushalten und im Gewerbe verhält es sich
ähnlich! Die
gleichen Fehllenkungen, die zur Stromvergeudung in der
Industrie beitragen, können auch im Privathaushalt und
im Gewerbe beobachtet werden. Auch dort tragen zu billige
Strompreise (Nichteinbeziehung der Folgekosten) zur
Verschwendung bei. Würde der Strompreis doppelt so hoch
sein wie er ist (wobei die Steuereinnahmen natürlich
zur Entlastung an anderer Stelle, zum Beispiel zur Senkung
der Krankenversicherungsbeiträge genutzt werden
müssten), würden bestimmt auch sparsamere
Haushaltsgeräte gekauft und auf manche sogar verzichtet
(es muss nicht wirklich alles vollautomatisch gehen, der
Mensch hat ja immer noch seine zwei Hände). Manche
Fehlentwicklung würde korrigiert Eine
gerechte Strombesteuerung (= Verteuerung) würde in mehr
Bereiche eingreifen, als man im ersten Moment vermutet. Ich
denke zum Beispiel an die vielen großen
Einkaufspaläste, wie sie überall in den
größeren Städten aus dem Boden
schießen. Da
werden oftmals alte Einkaufsstraßen mit historischen
Gebäuden abgerissen und durch gewaltige
Einkaufspassagen ersetzt. Der Haken dabei: Die riesigen
Gebäudekomplexe verschlingen Unmengen an Strom für
Rolltreppen, Klimaanlagen, Beleuchtung usw. Eine faire
Stromrechnung würde diese Gigantonomie vermutlich rasch
unterbinden. Überhaupt
ist es doch auch dies paradox: Seit 1980 haben sich die
Reallöhne der Arbeitnehmer, die Renten usw. verringert
aber dennoch haben sich die Verkaufsflächen des Handels
fast verdoppelt. Da sieht man wieder einmal, wohin es
führt, wenn durch die Globalisierung das Kapital
fehlgeleitet und dem Normalverbraucher entzogen wird (aber
das ist schon wieder ein ganz anderes Kapitel). Eigenen
Kommentar zu diesem Artikel (Nr. 450)
abgeben?
Wenn
Sie sich ausführlich und wertneutral über die
Zusammenhänge von Umweltschutz und Weltwirtschaft
informieren möchten, wenn Sie wissen möchten, wie
man denn nun tatsächlich den Entwicklungsländern
nachhaltig geholfen werden könnte, wie man die
Rohstoffverknappung in den Griff bekommt, die globalen
Finanzprobleme löst, den Spekulanten des Handwerk legt
usw., dann lesen Sie bitte das Buch "Das
Kapital und die
Globalisierung".

1980 konnte Deutschland (BRD+DDR)
mit
470
Mrd. kWh
seinen
gesamten Strombedarf decken, 2005 wurden
bereits
620
Mrd. kWh
benötigt.
Ohne den völlig unnötigen Verbrauchsanstieg
könnten wir heute in Deutschland schon auf
sämtliche Atomkraftwerke oder auf viele Kohlekraftwerke
verzichten.
Den Löwenanteil mit 47 % verschlang im Jahre 2005 die
Industrie, die privaten Haushalte waren mit 26 % dabei,
für Gewerbe, Landwirtschaft und öffentliche
Einrichtungen wurden 24 % benötigt und 3 % fielen auf
den Verkehr.
Nein,
ich denke nicht! Bei sinkenden Allgemeinwohlstand und
anhaltender Massenarbeitslosigkeit (= Massendiskriminierung)
kann nun wirklich nicht mehr von einem natürlichen und
sinnvollen Vorgang gesprochen werden. Diese Verwerfungen
sind hauptsächlich die Folgen einer verfehlten Politik,
die korrigiert werden muss!
Der
Kapitalismus ist leider nicht imstande, vorausschauend zu
planen. Mit begrenzten wertvollen Ressourcen wird sehr
unbekümmert umgegangen und erst wenn ein Rohstoff
wirklich knapp wird, ziehen auch die Preise an (dann ist der
Löwenanteil aber schon verprasst).
Mut
zur Wahrheit!
Dieses Buch kennt kein Pardon und keine falschen
Rücksichtnahmen auf Lobbygruppen. Schonungslos werden
die gravierendsten Missstände bloßgelegt und in
leicht verständlicher Form die komplexen
Marktmechanismen erklärt - vor allem aber werden
überzeugende Problemlösungen
aufgezeigt.
Bestellung
des Buches über www.amazon.de
Home (Eingangsseite www.umweltschutz-klimawandel.de)
© Manfred J. Müller, Flensburg, 2007
Manfred
Julius Müller
analysiert
seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und
veröffentlicht tabulose Aufsätze zu brisanten Themen. Er
entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit
Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen
Bereichen die Gesetzgebung beeinflussten. Seine Websites erreichen im
Jahr etwa eine Million Besucher. Inzwischen sind auch einige
Bücher erschienen, u. a. die
Trilogie
"DAS KAPITAL".