Pro und contra Energiesteuern

 

 

Deutschland im Jahre 2017
... falls die Kosten für fossile Energien sich um 100 % erhöht haben!

Was würde sich ändern, wenn in Deutschland die Steuern für fossile Energien spürbar heraufgesetzt werden, so dass sich dessen Verbrauch halbiert?

1. Energiesparautos erobern den Markt!
Schon vor Jahren gab es einen vollständig ausgereiften und alle gehobenen Ansprüche befriedigenden 3-Liter-Kleinwagen, den Lupo von VW. Inzwischen sind die Forschungen weitergediehen, 2-Liter-Autos werden bereits erprobt. Und in der Mittel- und Oberklasse gibt es bereits extrem sparsame Pkw mit Hybridantrieb serienmäßig zu kaufen.

Also wenn man wollte oder es hohe Spritpreise erzwingen, ließe sich in 10 Jahren im Pkw-Bereich gut und gerne die Hälfte des heutigen Verbrauchs einsparen. Da aber auch der Biosprit oder Biogas an Bedeutung gewinnen wird, könnte die Gesamtbilanz an eingesparter fossiler Energie sogar noch positiver ausfallen.

2. Müssen Auto-Klimaanlagen wirklich sein?
Untersuchungen haben ergeben, dass eingeschaltete Klimaanlagen im Pkw die Verbrauchswerte um 1,5 Liter pro 100 km erhöhen. Wenn sich diese Werte nicht deutlich durch bessere Techniken und Abschaltautomatiken herunterdrücken lassen, wird man vielleicht die Notwendigkeit von Klimaanlagen neu bewerten.

3. Solarenergie wird zur Selbstverständlichkeit
Bei steigenden Erdölpreisen werden Solaranlagen immer rentabler und Dank Massenfertigung auch billiger. Gut vorstellbar, dass im Jahre 2020 dann bereits 90 % der Neubauten damit ausgestattet und Altbauten immer häufiger nachgerüstet werden.

4. Biogas wird zum Energiewunder
Dem Biogas gehört die Zukunft! Die Energieeffizienz aus kleinen Biogas-Kraftwerken für 10000 Haushalte übertrifft die Ausbeute aus Raps um das Fünf- bis Zehnfache. Deshalb wird sich Biogas immer weiter durchsetzen und herkömmliche Kohle- und Atomkraftwerke ersetzen.

5. Biogas auch im Straßenverkehr?
Ob sich Biogas auch im Straßenverkehr durchsetzt, entscheidet die Antwort auf die Frage, ob sich Biosprit durch neue Herstellungsverfahren aus nachwachsenden Rohstoffen günstiger als bisher herstellen lässt.
Wenn dies nicht gelingt, werden auch die Autohersteller nicht umhin kommen, den Einsatz von Biogas zu ermöglichen. In einer langen Übergangsphase werden dann vielleicht Autos standardmäßig mit Doppeltanks bestückt für Benzin und Biogas.

6. Die Wärmedämmung wird noch wichtiger!
Auch wenn beim Wärmeschutz in den Häusern und Werkanlagen in den beiden vergangenen Jahrzehnten sich bereits viel getan wird, so ist auch hier das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht. Rolläden vor Fenstern und Türen rechnen sich heute schon, sie werden sich bei anziehenden Energiepreisen weiter durchsetzen. Dreifach-Isolierglas wird zum Standard werden, ebenso wird die Isolierung der Außenwände und Dächer weiter verbessert und vielfach nachgerüstet werden.

7. Auch das Verbraucherverhalten wird sich ändern!
Der oft gedankenlose Umgang mit dem kostbaren und begrenztem Gut der fossilen Energie wird im Laufe der Zeit weiter nachlassen. So wie sich das Gebot der Mülltrennung in den Köpfen der Menschen manifestiert hat, wird auch die Anwendung der Energie einen höheren Stellenwert bekommen.
Stand-by-Schaltungen bei HiFi-Geräten werden häufiger abgeschaltet werden, falls die Industrie das Problem nicht auf andere Weise lösen kann. Wer meint, die 300 m zum Bäcker oder Zeitungskiosk mit dem Auto zurücklegen zu müssen, wird in einer umweltbewussten Gesellschaft nur noch wenig Verständnis für sein Verhalten finden.

8. Das Kaufverhalten wird sich ändern!
Der Warentransport wird teurer werden, gleichzeitig wird das Umweltbewusstsein der Bevölkerung zunehmen.
Dies führt dann auch zu einem veränderten Kaufverhalten, das regionale Produkt gewinnt an Gewicht. Es muss nicht sein, dass Milch, Joghurt, Butter, Bier usw. von einem zum anderen Ende der Republik hin und her gekarrt werden. Wenn große Marken einen bundesweiten Absatz unbedingt wollen, können sie regionale Produktionsstätten errichten.

Sowieso werden bei teureren Transportwegen die Hersteller umdenken müssen und vom alten Zentralisierungswahn Abschied nehmen. Warum auf regionale Meiereien, Schlachtereien, Zeitungsbetriebe usw. verzichten? Die Wegrationaliserung der regionalen Produktion hat der Bevölkerung wenig gebracht - die Löhne und Renten sind seit 1980 bekanntlich gefallen.

9. Der Tante-Emma-Laden kehrt zurück!
Manche Veränderungen lassen sich im voraus kaum abschätzen. Dennoch könnte es durchaus sein, dass der Trend zum möglichst sparsamen Gebrauch des Autos auch dazu führt, kleine Lebensmittelgeschäfte wieder rentabel und attraktiv zu machen.
Viele ältere Leute halten sich heute nur deshalb noch ein Auto, um überhaupt das Nötigste einkaufen zu können und wären froh, wenn dieser Zwang nicht mehr bestünde.

10. Der Straßenverkehr wird abnehmen!
Auch wenn die Autos immer weniger Treibstoff verbrennen, werden bei steigenden Spritpreisen und verschärftem Umweltbewusstsein Deutschlands Straßen etwas leerer werden. Die Regionalisierung der Produktion wird auch in den anderen EU-Ländern zu beobachten sein, eben weil der Warentransport teurer wird und höhere Zölle und Mehrwertsteuern Importe verteuern.

"Das geht nicht" gibt's nicht!
Wir haben uns in der langen Phase des Wohlstands und der günstigen Energie viel zu sehr daran gewöhnt, dass Energieverschwendung etwas ganz Selbstverständliches ist. Wir haben vergessen, dass es auch ganz, ganz anders geht.

Dabei sollte man ruhig einmal zurückblicken: Auch 1954 lebte schon der moderne Mensch und nicht der Neandertaler. Damals gab es in Deutschland gerade einmal 1 Million Pkw, der Bestand hat sich mittlerweile verfünfzigfacht. Dereinst kam man mit einem Bruchteil der Energie auch im Haushalt aus. Die Wohnungen waren viel kleiner, die meisten Elektro-Haushaltsgeräte unbekannt oder unbezahlbar. Nicht, dass man sich solche Zeiten zurückwünscht - aber bei Gelegenheit sollte man ruhig einmal darüber nachdenken, dass Komfort und Luxus keine selbstverständlichen Anspruchsleistungen sind.

Wenn kein Öl mehr da ist, weil die Menschheit es im Rausch des Überflusses verprasst hat, dann wird, kann oder muss es auch ohne Öl gehen.

 

 

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© Manfred J. Müller, Flensburg, 2007

 


Manfred Julius Müller analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlicht tabulose Aufsätze zu brisanten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen die Gesetzgebung beeinflussten. Seine Websites erreichen im Jahr etwa eine Million Besucher. Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a. die Trilogie "DAS KAPITAL".